Thema aktualisiert   14. März  2023
Diese Seite wurde am 22 Januar 2023 erstellt!

Hemsdorfer

E inklassige Volksschule Hemsdorf 1942
Foto von R. Werner
Auf der Mauer links, Arno Werner; rechts Walter Riche
Obere Reihe von links: Gustav (Täve) Ihle; Heinrich (Heini) Schwitzer; Gerhard Pitschmann; Rudolf (Rudi) Meyenberg; Otto Thormeier.
Darunter: Siegfried Werner; Friedrich (Fritze) Thormeier; Gustav (Sohne) Werner; Erich Meyenberg, Rudolf (Rudi) Werner; Wilfried Goedecke; Sigmar Meyenberg.
Die Mädchen von oben links: Edith Ruloff; Lisa Werner; Erika Werner; Herta Werner; Käte Denecke; Jutta Meyenberg.
Elfriede Ruloff; Ruth Werner; Ilse Werner; Brunhilde Denecke; Liselotte Spieß; Inge Schwitzer, Elsa Schwitzer; Gisela Ringel;
Untere Reihe von links: Drete Werner; Hanna Werner, Adelheid Werner; Krimhild Denecke; Elisabeth Werner
Schüler der Einklassigen Volksschule Hemsdorf im Jahr 1942
Am 10. April verließen 1 Knabe und 5 Mädchen die Schule. Neu hinzu kamen am 22. April 08 6 Knaben und 2 Mädchen. Im Frühjahr 1908 besonders im Monat Mai wurde unsere Schule von zahlreichen Erkrankungen an Influenza heimgesucht. Ihren Folgen erlag auch eine unserer eifrigsten Schülerinnen, die kleine Elli Horbach im Alter von 9 Jahren am 22. Mai. Wer den Eifer dieses Kindes gesehen hat und die blanken Augen, die wie gebannt an den Lippen des Lehrers hingen, betrachten konnte, und nachher die herzzerreißenden Todesklagen mit anhören mußte, dann wollte schier das Herz brechen. Am Montag den 25 .Mai [1908] brachte wir sie zu Grabe. Am 25. August 1908 wurde die Schule durch den Regierungs= und Schulrat Herrn Philipp aus Magdeburg im Beisein des Ortschulinspektors Herrn Pastor Diesner - G.R. revidiert
Am 22. Dem er veranstaltete ich wieder eine Weihnachtsfeier im Horb.Saal . Das Programm liegt bei. Sehr dankbar wurde das Festspiel "Der Hüterjakob" aufgenommen. Es wurde auch reizend gespielt u. wirkte großartig. Die am Schluß von mir angeregte Sammlung ergab 7 M. Mit der Sammlung der Kinder war auch noch etwas übrig geblieben, so daß ich die Statue „Segnender Christus“ von [Bertel] Thorvaldsen (9,25 M) anschaffen konnte. So ist das Jahr 1908 vergangen, und ich darf mich freuen, so manches für meine Schule erreicht zu haben. Möge das neue uns Segen bringen, uns aber die mancherlei trüben Stunden ersparen. Am 2. April 1909 wurden die Konfirmanden entlassen: 1 Knabe und 4 Mädchen.
„Segnender Christus“ von Bertel Thorvaldsen
Neu aufgenommen wurden: 1 Knabe und 5 Mädchen. Vom 15. bis zum 19. Juni war ich zur 2. Prüfung in Genthin beurlaubt. Bis zum 15. waren Verziehferien . Am 23. Dez. war wieder eine kleine Weihnachtsfeier. Die Ordnung dafür liegt bei. Mit dem Ergebnis der von mir auch diesmal mit konstanter Bosheit vorgenommenen Sammlung wurden einige Bibliotheksbücher angeschafft. Am13. Februar veranstalteten wir einen Familien - Unterhaltungsabend, der ??? gut besucht war. Mit Schluß des Schuljahres (18. März 1910) verließen 3 Knaben und 3 Mädchen die Schule. Herrliches Frühlingswetter versonnte uns die letzten Schultage. Am 10. März hatte es bereits das erste Veilchen hervorgebracht.
V erziehferien Die schulpflichtige Jugend half tatkräftig bei den Erntearbeiten auf fremdem Boden mit. Ein Schulbesuch fand im Sommer kaum statt. So berichtete ein sächsischer Lehrer, der die Verhältnisse kannte: ...Im Mai beginnt dann die für die Schule so traurige Zeit des Rübenverziehens , Rüben- und Kornhackens ; denn alles Korn mit Ausnahme des Roggens, besonders aber das Sommerkorn wird gedrillt und gehackt. In die schlimmste Zeit werden allgemein die Verziehferien gelegt, meistens gleich im Anschluß an die Pfingstferien. Inzwischen beginnt die Heuernte; wiederum begiebt sich die gesamte arbeitsfähige Dorfjugend, Knaben und Mädchen, auf die Wiese zum Wenden, Zusammenhäufen, Aufladen bezw. Nachharken des Heues. (...) Am schlimmsten ist dann das Kartoffelroden, wozu drei Wochen Ferien erteilt werden. Die Kinder haben ähnlich wie beim Rübenverziehen ganz schwarze Hände, von der anhaltenden und anstrengenden Arbeit des Kartoffelauflesens, Zusammenschleppens vom frühen Morgen bis späten Abend erscheinen sie nachher ganz abgestumpft und verkommen. Auch beim Rübenroden erhalten sie ihr Teil, wenn auch hier nur aushilfsweise oder in Gemeinschaft mit den Eltern. Zwischendurch verrichten sie noch die erforderlichen häuslichen Erntearbeiten und helfen bei guten Freunden, Nachbarn und Bekannten. Quelle: (Agahd, K.: Kinderarbeit und Gesetz gegen die Ausnutzung ... Jena 1902, S.132f.) https://www.musee-imaginaire.de/mus_alt/ausstell/bilder/liebuhde/text05.htm
Hemsdorfer Schulkinder bei der Feldarbeit
Fotos: R. Werner
Überhaupt hatten wir dies Jahr einen äußerst milden Winter. Am 1. Weihnachtsfeiertag 1909 konnte ich ein ganz herrliches (?) Sträußchen aus Hagebutten und Eisbeeren (?) oder auch aus Stiefmütterchen u. Primeln zusammenstellen. Gewiß doch eine Seltenheit um diese Jahreszeit blühende Blumen im Garten zu haben. -
Nun ist auch das Schuljahr 1909/10 zu Ende. Mit ihm verlasse ich Hemsdorf, um des Königs Rock anzuziehen. Ob ich wiederkomme? -Wer weiß! 2 ½ Jahr - und nun geht's andersrum. Manches glaube ich erreicht zu haben, manche Saat ist gestreut. Wird sie sich entwickeln? Wird sie Früchte tragen? Wie sagt doch Faust? "Vor jenem droben steht gebückt …." So will ich dann auch mit einem Goethe Wort schließen. Mehr als auszustreuen, zu pflegen u. zu behüten steht nicht in unserer Macht. Doch "Wer freudig tut und sich des Getanen freut, ist glücklich.“
Hemsdorf am 28. März 1910
Originalschrift von Otto Küßner, Lehrer in Hemsdorf.
Küßner
Manches macht einem aus heutiger Sicht doch sehr nachdenklich. Auch hier die Zeilen des Lehrers Otto Küßner der vom 01.Oktober 1907 die Lehrerstelle in Hemsdorf, der einklassigen Volksschule in Hemsdorf antrat. Seine letzten Zeilen klingen wie ein Epilog, bevor er seine Unterschrift setzt. Hat er da schon von seinem späteren Schicksal geahnt, als er sich von seinen Schülern verabschiedete? Bernhard Otto Max Küßner kam aus Westpreußen. Sein Vater war Amtsvorsteher und Forstverwalter. Was alles noch passiert ist, als er seinen Schuldienst des "Königs Rock" anzog wissen wir nicht. Im Hemsdorf lernte er während seiner Lehrertätigkeit das Mädchen Hilda Elisabeth Horbach kennen. Hilda war 7 Jahre jünger als Otto und 1910 gerade 16 Jahre alt.  Ihre Vorfahren sind 1771 aus Hinzweiler ins aufzulösende Vorwerk nach Hemsdorf gekommen.   Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges sind es noch gute 4 Jahre.  Otto Küßner , jetzt 30 Jahre alt, heiratet am 31.März 1917, die nunmehr  22 jährige Hilda Elisabeth Horbach. Möglicherweise war Otto Küßner auf Heimaturlaub als er sich mit Hilda vermählte. Das Glück währte nicht lange und während der Zeit des Krieges waren wohl auch die gemeinsame Zeit sehr rar. Am  24. Oktober 1918 ist Otto Bernhard Max Küßner  im Krieg gefallen. Seine Begräbnisstätte befindet sich auf den deutschen Soldatenfriedhof in Le Sourd / Frankreich, in der nähe zu Belgien
Hilda Küssner geb. Horbach, heiratete nicht wieder und wohnte bis zu ihrem Tod in Hemsdorf in dem Haus ihrer Eltern Am 07.06.1981starb Hilda Küßner im Alter von 87 Jahren und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Hemsdorfer Friedhof.
Durch das Überlassen einiger Unterlagen von Familie Margitta und Michael Schrader über die Familie Hilda und Otto Küßner war es mir möglich, weiteres über sein Leben nach dem Lehrer Otto Küßner zu ergänzen. Wenn auch nicht immer Schönes. Vielen Dank deshalb nochmals an Familie Schrader. Hemsdorf, im Februar 2023
O. Küßner*
24.10.1918
Seite  Seite  Seite hier bist du auf  hier bist du auf Seite  Seite  Seite hier geht es zur nächsten

7

6